Donnerstag, 5. Februar 2015

"Ich träume davon, deutsch zu sprechen!"

Sie hat sich einen roten Lippenstift aufgetragen, auf ihren Wangen ist leicht Rouge zu erkennen. Sie zupft ständig an ihrem dunkelblauen Schal aus Seide, den sie eng um Ihren Hals gebunden hat. Als ich mir Platz neben ihr nehme, schaut sie mich neugierig an. Das Bühnenprogramm ist gerade zu Ende gegangen. Es gab Gesang und eine Willkommensrede für die Flüchtlinge, die nun an den Tischen sitzen. Sie junge Frau schaut mich gespannt an, sie traut sich nicht mich anzusprechen.

Aadila* ist vor drei Monaten aus Bangladesch geflüchtet. Alleine mit dem Schiff. Sie ist 20, so alt wie ich. Ihre schwarzen Haare hat sie zu einem engen Dutt frisiert und sie trägt einen schwarzen Blazer. Im Gegensatz zu den anderen Flüchtlingen sieht sie aus wie eine exotische Geschäftsfrau, die sich verirrt hat. Fehl am Platz. „Alles schön“, wiederholt sie ein paar Mal, als ich sie frage, wie sie denn Deutschland findet. Sie erzählt mir, dass sie in Bangladesch von ihrer Tante schikaniert wurde. Ihre Eltern starben vor einigen Jahren bei einem Autounfall. Sie hat in Armut gelebt, als Frau durfte sie kaum auf die Straße und an der Bildung durfte sie nicht teilhaben. „Ich wollte weg“, erzählte sie mir. Weg von dem Land, in dem sie geboren wurde und an das sie nur noch schlechte Erinnerungen hat.

Ich rede mit ihr über ihre neue Heimat, in der sie sich jedoch wie eine Fremde fühlt: „Ich traue mich nicht raus, nicht zum Arzt. Nur zum Deutschkurs. Ich träume, deutsch zu sprechen.“ Ein Traum, den sie nur schwierig in die Wirklichkeit umsetzen kann. Denn Aadila ist schüchtern. Sie sitzt in der hinteren Ecke des kleinen dekorierten Zimmers, schaut kaum jemanden an. Auf meine Fragen antwortet sie zunächst wie ein aufgenommenes Tonband: „Alles schön“. Ich habe Schwierigkeiten mit ihr zu reden, Aadila versteht kaum meine Sprache. Dabei gestikuliere ich, versuche ihr zu helfen, ihre Schüchternheit zu bekämpfen. Erfolglos, denn für Aadila bleibt „alles schön“.

Dabei kann ich es ihr nicht verübeln. Sie fühlt sich wie eine Fremde in ihrer neuen Heimat. Eine Heimat, die sie voller Hoffnung und neuen Träumen betreten hat. Eine Heimat, in der sie sich einsam fühlt. Eine Heimat, voller Sprachbarrieren. Aadila war die erste geflüchtete Frau, die ich kennengelernt habe. Und ich werde die Hoffnungen und Träume in ihren Augen nicht vergessen. Aadila ist eine von Vielen, die in Deutschland ein neues Leben beginnen wollen und wer könnte ihnen den Weg leichter machen, als die Heimischen selbst?

*Name geändert

Freitag, 9. Januar 2015

Hass mit Liebe bekämpfen?!

Ich versuche seit einigen Tagen meine Gedanken in Worte zu fassen, zu beschreiben, was die momentanen Weltereignisse in mir bewirken. Das aufzuschreiben, was der grausame Anschlag in Paris in mir auslöst. Wie die ständigen Pegida-Demonstrationen das Bild meiner Heimat verändern und wie die wachsende Islamphobie mich bedrückt.

Doch ich kann es nicht! Ich schaffe es einfach nicht, darüber zu schreiben. Ich kann nicht über grausame Terroranschläge, über rassistische Vorfälle und über wachsende Angst schreiben. Meine Finger wollen meine Gedanken nicht abtippen – sie weigern sich zu akzeptieren, dass dies nun unsere Realität geworden ist. Unsere Welt, in der die Nachrichten mit schlechten Ereignissen gefüllt sind und zu einer gewissen Sprachlosigkeit führen. Die vergangenen Ereignisse haben Angstzustände ausgelöst, die wir versuchen müssen zu bewältigen: Die Angst vor Islamisten und die Angst als Islamist bezeichnet zu werden, nur weil man muslimisch ist. Eine Angstspirale bildet sich und wird Deutschland mehr Schaden zufügen, als wir es uns vorstellen können. Es entsteht Paranoia, Ausgrenzung und rassistische Anschläge, die wiederum in den Nachrichten zu lesen sein werden und somit einen Teufelskreis des Hasses auslösen. Doch in so einer Gesellschaft möchte ich nicht leben, geschweige denn, meine Heimat nennen. Ich möchte keine Angst vor rassistischen Überfällen haben, weil ich ein Kopftuch trage. Ich möchte nicht hören oder lesen, dass alle Muslime Terroristen sind, weil einige Deppen den Islam nicht kennen, aber es behaupten. Ich will ohne Vorurteile in ein Gespräch gehen können, weil meine Gesprächspartner mich nicht auf meine Religion beschränken. Ich möchte jene Menschen in meinem Umfeld haben, die sich nach den schrecklichen Ereignissen nicht von der Menschlichkeit abirren lassen.


Deshalb ist dieser Text ein Plädoyer an all die Menschen da draußen, die an den Frieden glauben. An die Menschen, die das Gute kennen und verkörpern. An jene, die gegen Rassismus sind. An alle Bürger, die auf die Straße gehen, weil sie Ausgrenzungen als Ungerechtigkeit empfinden. An all die Menschen, die Verallgemeinerungen und Schubladen nicht mögen. An diese, die sich ihr eigenes Bild machen und keine Angst vor dem Fremden haben. An jene, die bedrückt aufgrund der Geschehnisse sind, aber sich nicht entmutigen lassen. An all die Menschen, die wissen, dass Frieden machbar ist. An alle, die wissen, dass das nur gemeinsam und nicht gegeneinander funktioniert. Ich spreche alle Menschen an, die Hass mit Liebe bekämpfen wollen.  

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Armes Deutschland, was machen wir nur mit dir?

„Sind Sie zufrieden?“ Ich schaue den Mann mir gegenüber an. Ich bin verwundert, und empört zugleich. Ich habe nicht mit dieser Frage gerechnet. Nicht heute. Nicht an diesem kalten Dezembertag. Niemals. Ich war gerade dabei einen Bericht über Pegida Demonstrationen zu lesen, als er auf mein Handy schaute. Es war ein Bericht über Fremdenfeindlichkeit und über alle Bürger, die sich vor etwas fürchteten, das nicht existierte: Islamisierung. Wie kommt der Fremde darauf, mir so eine freche Frage zu stellen? Denkt er etwa, ich wäre der Grund für die Paranoia der Menschen? Ich und alle anderen Muslime in Deutschland? Ich bin enttäuscht und kann nicht verstehen, wie alle Muslime unter einen Kamm geschert werden. Wo sind die Individualität, das Verständnis und die Toleranz geblieben? Wo ist das Deutschland, das aus der Vergangenheit gelernt hat? Was ist aus meiner geliebten Heimat geworden?

Ich umschlinge meinen Schal enger um meinen Hals. Der Bus sollte in wenigen Minuten kommen. Ich warte geduldig und sammle meine Gedanken: Nein! Ich bin nicht schuld daran, dass jeden Montag Menschen auf die Straße gehen. Ich bin nicht schuld für die panische Angst, die aus nicht erklärbaren Gründen entstanden ist. Ich, und die große Mehrheit der Muslime sind keine Täter, die eine kleine Gruppe in Dresden zu Opfern gemacht haben.  

Denn bleiben wir doch mal bei den Tatsachen: Ca. vier Prozent der Deutschen sind Muslime und als wirklich praktizierend bezeichnen sich gerade mal ein Prozent davon.  Von diesen vier Millionen Muslimen gibt es laut dem Bundesamt für Verfassungsschutz 43.000 potenziell gefährdete Islamisten. Abgesehen davon, wer wann als Islamist zählt, sind das gerade mal knapp ein Prozent. Im Gegensatz dazu haben laut einer Statistik 38 Prozent der befragten Deutschen ausländerfeindliche Einstellungen. Nur nebenbei bemerkt. Aber was spielen solche Zahlen schon für eine Rolle? Zahlen sind Zahlen und Gefühle sind Gefühle.

Der Fremde schaut mich an. Er wartet auf eine Antwort, ich auf eine Ordnung meiner Gedanken. „Wie bitte?“, frage ich verwundert und empört zugleich. „Ob Sie zufrieden damit sind, habe ich gefragt!“ Doch bevor ich wirklich meine Gedanken aussprechen kann, schaut er auf mein Handy: „Ich hab mir dasselbe Handy bestellt, was denken Sie darüber?“ Ach, wie soll ich nur über dieses Deutschland denken?

Mittwoch, 26. November 2014

Warum ich Journalistin werden will

Ich will einen neuen Journalismus! Einen, der nicht nur an der Oberfläche berichtet, sondern in das ungewisse Innere geht. 

Gelsenkirchen - Einen, der das Schreiben als eine Leidenschaft sieht und gute Recherche als eine soziale Verantwortung. Einen, der nicht jeden Mist erzählt und sich nur an der Wahrheit orientiert.


Ich habe schon früh angefangen, mich für soziale Probleme in Deutschland zu interessieren, habe nach Antworten gesucht, warum deutsche Migranten in den Medien ein eher düsteres Bild haben.
Ich konnte nicht verstehen, warum immer über sie berichtet wurde und doch so selten von ihnen. Das Bild der gesellschaftlichen Außenseiter fand ich in fast jedem Artikel, den ich über Migranten gelesen hatte, denn anscheinend waren es immer noch die Anderen. Währenddessen fing ich auch an, globale Probleme und Missstände in den Medien zu verfolgen und erkannte schnell die Macht der Medien.


Aus einer Enttäuschung heraus fing ich an, leidenschaftlich zu schreiben. Erst für mich. Dann jahrelang für die Schülerzeitung, dann auch öffentlich in meinem privaten Blog und dann für die Lokalzeitung.


Ich sprach über meinen Frust im Lokalradio und merkte schnell, dass ich mir Gehör verschaffen konnte. Ich recherchierte und recherchierte, interessierte mich für jedes politische und soziale Thema. Rannte mit einem Block und einem Stift durch die Stadt und ließ die zu Wort kommen, die es sonst nicht schaffen würden. Ich baute mir meine kleine Welt auf, in der ich über das berichtete, was Deutschland zu einem bunten Land macht.


Ich wollte das in die Öffentlichkeit bringen, was nur die berichten konnten, die auch hautnah am Geschehen dabei waren. So kam es, dass ich auch aus einer Frustration heraus entschieden habe, leidenschaftliche Journalistin zu werden.


Hartnäckigkeit, Mut und Wissensdurst sind meine ständigen Begleiter.
Ich will die Welt nicht einfach so hinnehmen, wie sie ist, nicht die Politik und auch nicht die soziale Gesellschaft, die geprägt ist von Vorurteilen. Ich will erklären und verändern! Ich will die Menschen zum sozialen Miteinander anregen und nicht zur sozialen Hetze. Dabei spielt es für mich keine Rolle, dass der Journalismus in einer Finanzkrise steckt oder dass es immer weniger festangestellte Journalisten gibt.


Ich will berichten und mit jedem Wort, das ich schreibe, im Reinen sein. Der Journalismus sollte wieder zurück in die Anfänge seiner Zeit, in der Journalisten ihr Wörter heimlich im Hinterzimmer geschrieben haben, um Demokratie und Aufklärung zu fordern.


Ich möchte nicht eine von vielen Journalisten sein, die nicht über den Tellerrand hinaus schauen. Ich möchte am Tellerrand sitzen und dem Abgrund tief in die Augen blicken und mit dem recherchieren, was dem deutschen Journalismus fehlt: der Liebe zur sozialen Verantwortung.


Der Text ist auf newsroom.de am 22.11.2014 erschienen.


Freitag, 7. November 2014

Die Freiheit es zu tragen

Beginn.
DAS hatte sie nicht erwartet! Ich auch nicht! Wirklich nicht. Es ist einige Tage her. Ich war aufgeregt. Es sollte ein wichtiges Gespräch werden, für eine wichtige Angelegenheit. Ich habe lange überlegt, was ich anziehen soll. Nicht zu schick, aber auch nicht zu lässig. Ein hellbraunes Kopftuch aus Chiffon sollte es sein. So wie immer. So wie jeden Tag. Ich band das Tuch um meinen Kopf, eine Nadel hier, eine Nadel dort.

Schock.
„Entschuldigung, aber Ihre Bewerbung machte einen selbstbewussten Eindruck. Ich habe nicht erwartet, dass sie ein Kopftuch tragen!“

Stille.
Ich bringe ein gezwungenes Lächeln hervor. Mein Mund versucht meine Gedanken in Laute umzuwandeln, doch ich bringe keinen Ton heraus. Damit habe ich nicht gerechnet. Wirklich nicht. Darauf war ich nicht vorbereitet.

Geschrei.
In meinem Kopf schwebt eine düstere Wolke von Gedanken. Einige sind dazu da, um mich rechtzufertigen. Um der Frau mir gegenüber laut zu sagen, dass ihre Annahme falsch ist. Um das vorherrschende Bild zu verändern. Andere wiederum drücken Verwirrung und Aggression aus, doch ich kann meine Gedanken noch beruhigen.

Fragen.
„Wie kommen Sie darauf, dass ich nicht selbstbewusst sein kann, wenn ich ein Kopftuch trage?“, frage und ich setzte mich auf den Stuhl, auf dem ich zwei Stunden sitzen sollte. Sie serviert mir einen Tee. Bitter. Doch ich trinke. Meine Nervosität bringt mich in eine Sackgasse der Verwirrung. Verdammt, wieso war ich so aufgeregt? Welchen Grund hatte ich dazu? „Nun ja, Sie müssen doch zugeben, dass das Kopftuch nicht wirklich ein Symbol der persönlichen Freiheit ausdrückt. Dass Frauen sich verhüllen, weil sie sich verstecken wollen. Eigenwillig oder auch mit Zwang. Das kommt auf das Gleiche hinaus.“ Zack! Da hatten wir es: die Unterdrückung der muslimischen Frau. Jene Frau, die nicht wie die anderen Frauen war. Jene, die das Tuch um ihren Kopf hatte.

Gerede.
Ich teile meinen Gedanken nun Laute zu. Eine Möglichkeit sich zu präsentieren. Sich zu beweisen: „Mein Selbstbewusstsein steht nicht im Gegensatz zu meinem Tuch“, sage ich und versuche dabei meiner Gesprächspartnerin in die Augen zu schauen. „Ich wurde nicht gezwungen ein Kopftuch zu tragen, ich trage es gerne, weil es zu meiner Persönlichkeit gehört.“

Erkennung.
„Sie möchten also als Muslima erkannt werden, obwohl Sie wissen, dass das Bild der Muslime in Deutschland nicht das Beste ist?!“, fragt meine Gesprächspartnerin und schaut mich skeptisch dabei an. Ach, wie sehr ich dieses Thema doch liebte. Das Bild der Muslime in Deutschland. Das Bild jener Schublade, in der ich mich anscheinend gerade befand. „Nicht unbedingt! Ich trage das Kopftuch, weil ich gegen die Sexualisierung der Frau bin. Weil das Kopftuch von meinen weiblichen Reizen ablenkt und auf meine Persönlichkeit hinweist,“ sage ich mit einer Überzeugung, die ich schon seit Jahren in mir trage. „Ich möchte nicht unbedingt als Muslima erkannt werden. Meine Religion ist meine Privatsache. Dennoch leben wir in einer Gesellschaft, in der die Frau oft sexualisiert wird. Und dagegen will ich mich stellen.“

Verwirrung.
„Eine muslimische Feministin also? Ach, das kann es doch gar nicht geben. Die Entscheidung es zu tragen, kommt nicht von Ihnen selbst. Sie tragen es, weil Sie es laut Ihrer Religion sollen. Weil es anscheinend besser für Sie ist. Dabei sollten sie selbst entscheiden, was gut und was schlecht für Sie ist.“

Erkenntnis.
„Das tue ich doch! Ich trage es aus mir selbst heraus, weil ich es als richtig erachte“, sage ich und versuche zu erklären, dass ich nicht zum Kopftuch gezwungen wurde. Keine Chance. Ich kann nicht überzeugen. Das Kopftuch bleibt Thema. Ein Symbol, weil ich nicht als Hatice Kahraman gesehen werde, sondern als eine Muslima. Als eine von Vielen in derselben Schublade.

Ende.
Ich habe dem Kopftuch selbst nie so eine große Bedeutung zugeschrieben, wie es meine Mitmenschen oft getan haben. Für mich ist es einfach nur ein Tuch. Eins, das ich gerne trage. Das einfach zu mir gehört. Kein politisches Symbol und auch kein Modeschmuck. Keine Unterdrückung und auch kein Zwang. Das Kopftuch ist Freiheit. Jene Freiheit, die ich mir nehme, um es zu tragen. Um mich nicht rechtfertigen zu müssen. Um so zu sein, wie ich es sein will: mit einem einfachen Tuch.

Sonntag, 12. Oktober 2014

Die Geschichte der Buchstaben

Beim Vorbeigehen am Zeitungsstand lese ich wieder das böse Wort mit T. Ich habe Angst dabei entdeckt zu werden, wie ich das böse T ausspreche, also gehe ich unauffällig weiter. Ich will keine Aufmerksamkeit erregen, will nicht, dass man mich mit dem T in Verbindung bringt. Ich will nichts mit dem T zutun haben und schon gar nichts mit dem I und dem S. IST es denn verwunderlich, dass ich diese Buchstaben nicht mag? Bin ich etwa zu verurteilen, weil mir diese Buchstaben nicht mehr sympathisch sind? Ich verzweifle und drücke mein Mitleid gegenüber diesen Buchstaben aus.

Terroristisch islamischer Staat. Ach wie häufig habe ich diese Wortkombination gelesen. Ein paradoxes Wortspiel aus dem krankhaften Terror, der wohl kaum in der Lage ist einen demokratischen Staat zu ernten. Der Zweck heiligt eben nicht die Mittel und schon gar nicht den Missbrauch der Buchstaben. Denn ohne die Gräueltaten der IS darstellen zu müssen, hat sich das I vom Islam in den letzten Jahren geändert.

Früher gab es nur das M. Das M hat sich zwar alleine gefühlt und doch war es zufrieden. Man(n) hat ihm eine Bedeutung gegeben, weil es zu Deutschland gehörte, wie es der Bundespräsident Gauck 2012 mitteilte. Dabei hatte es auch eine Zeit der Zweisamkeit erlebt. 2010 teilte der Ex-Bundespräsident Wulff mit, dass auch das I zu Deutschland gehörte. Doch nach heftigen Diskussionen verschwand es schnell wieder. Das M für Muslime war also wieder alleine. Aber störte es das M? Nein! Doch das merkte es erst, als das böse T in den großen Zeitungen zu lesen war. Als man anfing, alle Ms mit dem bösen T in Verbindung zubringen. Als es plötzlich nur noch das böse I gab. Man, die armen Buchstaben tun mir leid. 

Denn zu der Zeit, als das M noch für die normalen Muslime stand, gab es nur die Kopftuch-Frauen und die Bart-Männer. Integration - und da haben wir das zweite I - war ein Problem, über das man diskutieren konnte. Über das man streiten und debattieren konnte. Aber heute? Das arme I wurde missbraucht und alle Ms sollen sich plötzlich angesprochen fühlen?! Sie sollen sich vom I distanzieren, sich fernhalten und sich für ihre Religion schämen.

Heute sind die Buchstaben in allem Munde. Der Islam ist plötzlich bekannt, die Medien vergnügen sich an Wortspielen mit Dijhadisten, Salafisten und Terroristen. Islamisch ist anscheinend das, was verwerflich ist. Das, was man hier nicht haben will. Nur die Muslime, die duldet man.


Ich lebe mittlerweile in einem Dilemma. Ich will mich informieren, will die Weltgeschehnisse nicht aus den Augen verlieren, doch die Buchstaben kann ich nicht mehr sehen. Ich bin auf der einen Seite wütend, weil es einen Ort gibt, an dem das I mit Blut missbraucht wird. Und doch bin ich traurig, weil es auch hier fast nur in negativen Zusammenhängen benutzt wird. Ich wünsche mir eine Zeit, in der das I vom Islam mit friedlichen Ms in Verbindung gebracht wird. 

Sonntag, 28. September 2014

Eine Distanz ist nicht nötig

Ich habe in den letzten Tagen immer wieder Artikel und Beiträge gelesen, in denen sich Muslime von den Gräueltaten der IS distanziert haben. #Notinmyname war ein beliebter Hashtag um zu zeigen, dass die IS nicht im Namen des Islams oder der gesamten Muslime handeln kann, beziehungsweise handeln darf. Ich fand die Aktion wirklich klasse! Ich habe auf Twitter ebenfalls mitgemacht, weil ich finde, dass heutzutage ein Hashtag schnell die Stellung einer virtuellen Stimme einnehmen kann. Und wenn die Muslime ihre Stimme gegen die Terrororganisation nicht erheben, wer dann?! Ebenfalls distanziert haben sich bekannte Gesichter und Vertreter muslimischer Institutionen, die ihre klare Abneigung gegenüber der Terrororganisation gezeigt haben. Immerhin gibt es prominente Muslime, deren Meinungsbilder wichtige Rollen spielen.

Dazu gehöre ich aber nicht. Und genau das ist auch der entscheidende Punkt. Ich habe nämlich lange überlegt, ob es denn eine Verbindung zwischen mir - einem einfachen Mädchen aus dem Ruhrgebiet - und einem Mitglied der Terrororganisation der IS gibt. Nope! Habe leider keinen gefunden. Denn seinen wir mal ehrlich, nur weil die IS im Namen des Islams handelt, muss ich mich doch nicht davon distanzieren!? Welche Schuld trifft mich, wenn irgendwelche Dumpfbacken mit Waffen spielen und wild um sich herum schissen? Ich habe weder eine Verwandtschaft noch eine andere Beziehung zu der IS und sehe es deshalb nicht als nötig, mich davon zu distanzieren.

Natürlich finde ich die Gräueltaten mehr als abscheulich und auch ich würde alles in meiner Macht tun, um dem Terror endlich ein Ende zu setzten. Aber wie unterscheide ich mich von den anderen deutschen Bürgern, die sich anscheinend nicht distanzieren müssen. Tja, da haben wir es wieder: Es ist meine Religion, weil anscheinend irgendein Idiot mit der IS Flagge in der Hand, ebenfalls an den Islam glaubt. Aber teilen wir uns somit die gleiche Schublade? Sind war alle einfach nur die Muslime? Wer diese Frage mit Ja beantwortet, sollte auf der Stelle meinen Blog verlassen. Denn ich schreibe schon seit Jahren darüber, dass es nicht die Muslime gibt und wie schlimmer noch: Ein Terrorist ist und bleibt ein Terrorist und das hat nun wirklich nichts mit Religion zutun, auch wenn diese immer wieder dazu missbraucht wird.

Somit schäme ich mich nicht dem Islam anzugehören. Denn der Islam, den ich kenne und lebe, hat nichts mit Terror zutun. Ganz im Gegenteil! Terror wird im Islam verurteilt und wer das Gegenteil sagt, hat leider den wahren Islam verpasst. Und das tut mir nun wirklich leid.

Donnerstag, 11. September 2014

Die düstere Seite des Internets

Es fing wirklich harmlos an. Ich saß an meinen Schreibtisch, sollte eigentlich lernen. Ich drückte auf die Facebook App und scrollte mit meinem Daumen an meiner Startseite. Da entdeckte ich einen interessanten Artikel von einer Zeitung, die ich auf Facebook abonniert hatte. Islamphobie stach in mein Auge. Doch bevor ich den eigentlichen Artikel las, interessierten mich die Kommentare der Leser unter dem Beitrag. Und so fing das wirkliche Grauen an.

In dem Artikel, den ich heute leider nicht mehr finden kann, ging es um die negative Einstellung der Deutschen gegenüber den Muslimen. Aber das war damals für mich nichts Neues und somit Nebensache. Wirklich interessant fand ich aber die Kommentare, die ich mir sonst nie durchgelesen hatte. Denn das, was ich damals aus Langweile tat, veränderte meine Einstellung gegenüber einer großen Gruppe von Menschen. Die Kommentare waren weder sachlich noch stellten sie einen anderen Standpunkt dar. Vielmehr entdeckte ich die grausame und rassistische Welt des Internets. Sätze, die ich hier nicht niederschreiben werde, durchquerten förmlich das ganze soziale Netz. Plötzlich hatte jeder eine Meinung, die er auf allen öffentlichen Seiten als Kommentar schreiben musste. Plötzlich waren alle Anti-Alles und die Welt war doch so verdammt scheiße. Beleidigungen, Hassparolen und ab und zu ein guter Kommentar füllten jeden öffentlichen Beitrag. Die Redakteure selber mussten gar nicht eingreifen, die Leser machten sich gegenseitig schon fertig.Und tun es immer noch. Denn jeder kennt sie: Die große Gruppe der kommentierenden Menschen oder besser gesagt – die sich hinter einem Facebook-Account versteckenden Mutigen.

Besonders interessant wurde es bei Beiträgen über den Islam. Denn plötzlich vergaß man alle guten Bekanntschaften mit Muslimen, denn alle tragen anscheinend eine Bombe unter der Jacke. Plötzlich war es legitim, wenn man rassistisch war. Ist doch eben nur die eigene Meinung und das darf man doch noch sagen dürfen. Aber ja doch. Wer so viel Mut hat, seine eigene Meinung zu schreiben, sollte sie auch dem muslimischen Arbeitskollegen sagen können. Nicht, dass der Idiot noch das Gebäude in die Luft jagt. Oder viel schlimmer noch: Er ist überhaupt kein Terrorist, Extremist, Salafist, Djihadist, Gotteskrieger, Mörder, Krimineller und Islamist. Verdammt aber auch. Dann würde die eigene Meinung noch nicht einmal der Tatsache entsprechen. Unvorstellbar, obwohl man die Meinung mit Leichtigkeit niedergeschrieben hat.

Aber genauso läuft es im Internet ab. Man sitzt in seinem dunklen Zimmer, der Fernseher läuft und es wird eifrig auf Tastaturen getippt. Alles Böse und Rassistische muss doch irgendwo seinen Freiraum haben und wo wäre der beste Platz als unter öffentlichen Beiträgen auf Facebook? Ach, wie sehr liebe ich das soziale Netz.

So kam es, dass ich vor einigen Monaten anfing, die Kommentare auf Facebook zu lesen und manchmal sogar selbst kommentierte. Aber ich hörte schnell damit auf, denn einen wirklichen Diskurs konnte ich lange suchen. Beleidigen und hassen kann anscheinend wirklich jeder, der irgendwie Internetzugang hat. Wer aber kennenlernen und tolerieren will, macht es auf die klassische und traditionelle Art: von Gesicht zu Gesicht. Nennt mich ruhig altmodisch.

Samstag, 12. Juli 2014

Lasst uns über den Frieden reden

- Gedankensplitter -

Es ist kurz nach Mitternacht in Düsseldorf. Er hat das Licht ausgemacht und legt sich in sein Bett. Er will ein wenig schlafen, ehe er vor der Morgendämmerung wieder aufsteht, damit er sein Fasten beginnen kann. Bevor er seine Augen schließt, schaut er noch einmal auf sein Handy. Eine Nachricht von seinem zwölfjährigem Cousin aus dem Gazastreifen. "Bete für uns. Wir sind im Krieg."*

Der Nahost Konflikt. Seit Jahrzehnten Krieg, Gewalt und Terror. Es wird schlimmer und schlimmer. Es ist kein Ende in Sicht. Zwei Seiten: Palästinenser und Israeliten. Pro und Contra. Dagegen und dafür. Ein Stück Land auf der großen Erde. Es soll versprochen sein, von Gott. Es ist Krieg. 

Seit einigen Tagen ist meine Facbeookseite voll. Instagram und Twitter auch. Meine Freunde posten und posten. Bilder voller Blut, Videos voller Unruhen. Es soll die Wahrheit zeigen. Die Augen öffnen. Ich verschließe manchmal meine Augen, kann das die blutigen Bilder nicht sehen. Es ist Krieg. Ich weiß es und sitze ich auf meinem bequemen Sofa. Bomben fliegen, Bomben fallen. Bomben treffen und zerstören. Ich verfolge die Medien, sehe die einseitige Berichterstattung. Es ist Krieg. Ein Krieg gegen unschuldige Zivilisten. Gegen Kinder, weil die Erwachsenen sich streiten. Gegen den menschlichen Verstand, weil Frieden nur noch eine Ideologie ist. Eine Utopie in Bücher, die keiner mehr liest. Augen öffnen und lesen. Es geht nicht darum Schuldige zu finden. Es geht nicht darum Menschen zu trennen. Es geht darum, endlich eine Lösung zu finden, auch wenn eine Konfliktlösung meilenweit entfernt ist. Es darum, die Augen zu öffnen. Es geht darum, die unschuldigen Kinder zu schützen. Es geht um Frieden. Es geht um den verdammten Frieden.

*Situation verfremdet

Da dieser Eintrag nur Gedankensplitter enthält, sind hier einige Links zur aktuellen Situation:
Amnesty International: Völkerrecht einhalten
One Palestinian child has been killed by Israel every 3 days for the past 13 years
Palestinian boy Mohammed Abu Khdeir was burned alive
Bomben zum Ramadan
Stellungnahme zur Berichterstattung über die Geiselnahme der israelischen Jugendlichen