Dienstag, 15. Juli 2014

Männer und andere Turbulenzen

Kurz vor der Fastenzeit hatten mich Freunde zu einem Grillabend eingeladen. Wir waren einige Leute, die gemeinsam das Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Ghana gucken wollten. Als ich etwas verspätet ankam, war der Grill schon an, der Tisch gedeckt und es herrschte eine gute Laune. Drei junge Männer waren mit dem Grill beschäftigt, ihre Aufmerksamkeit schwankte zwischen grillen und Fußball schauen. Ganz konservativ eben. Kurz vor der Halbzeit machten vier Freundinnen von mir den Männern das Angebot sich um den Grill zu kümmern – die jungen Männer lehnten das Angebot zunächst ab. Doch die Damen drängten. Sie wollten auch mit anpacken, grillen wäre eine gute Herausforderung. Die Männer waren eingeschüchtert. Sie setzten sich hin und überließen den Damen die Arbeit. Im Laufe des Abends bemerkte ich dann, dass die jungen Männer kein Wort mehr heraus brauchten. Auch als wir aufräumten, packten die Frauen an, die Männer schauten verlegen zur Seite.

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle betonen, dass die Gastgeberin eine der Damen war, die sich nachher um den Grill gekümmert hat und dass die meisten einen Migrationshintergrund hatten. Viele kamen aus dem Süden. Vielleicht spielt das aber auch keine Rolle. Vielleicht aber schon. An diesem Abend ist mir jedenfalls aufgefallen, dass die Frauen sich emanzipiert verhalten wollten. Sie empfanden es für selbstverständlich, dass die Frauen die ganze Arbeit leisten und dass die Männer verlegen am Tisch sitzen. Die Männer haben sich unwohl gefühlt, auch wenn sie es nicht direkt ausgesprochen haben. Ihre Blicke waren vielsagend. Als ich einige Tage danach die Gastgeberin auf meine Beobachtung ansprach, sagte sie sinngemäß, dass viele Männer mit der Emanzipation der Frau nicht klar kämen. Gerade südländische Männer, fügte ich gedanklich hinzu. Dabei bin ich ganz anderer Meinung. Manche Frauen möchten sich behaupten. Sie empfinden es als Beleidigung "typisch" weibliches Verhalten zu zeigen, weil sie Emanzipation als eine Abwendung vom fraulichen definieren - Wer gerne die Hilfe von Männern annimmt ist schwach und abhängig. Ich will nicht pauschalisieren, aber ich kenne einige Damen in meinem Umfeld, die so ticken. Gerade muslimische Frauen, die oft aus Männer-dominierenden Gesellschaften kommen bzw. in so einer Familie aufgewachsen sind, versuchen sich in all ihren Lebenssituationen von den Männern abzuwenden. Schlimmer sogar, sie empfinden die Frau als das bessere Geschlecht. Sie verstehen Emanzipation als eine komplette Unabhängigkeit vom Mann, weshalb einige auch Schwierigkeiten bei der Partnerwahl haben - falls sie denn überhaupt über eine Beziehung oder eine Ehe nachdenken.  

Eine typische Situation beobachte ich oft auf gemischten muslimischen Veranstaltungen. Wenn nach der Veranstaltung aufgeräumt wird, packen die Männer da an, wo es schwere und große Dinge zu tragen gibt. Beispielweise ein großes Zelt mit Stahlpfosten. Es gibt aber immer ein paar Frauen, die mit anpacken möchten - den Männern ist das wieder unangenehm. Danach entstehen oft Diskussionen zwischen den Frauen, warum es den Männern denn unangenehm sei. Warum aber auch nur?! Dabei verstehe ich nicht, warum einige Frauen sich über das definieren wollen, was "typisch" männlich ist. Und keiner kann mir sagen, dass es nicht typische Attribute von Mann und Frau gibt. Die Geschlechter sind nun mal verschieden und doch gleichwertig. Auch wenn wir mittlerweile in einer Gesellschaft leben, in der diese Attribute oft ineinander gehen - was ich als einen positiven Fortschritt sehe - so gibt es immer noch typisch Mann und typisch Frau. Deshalb heißt Emanzipation für mich eben nicht, dem Mann seine Aufgaben weg zu nehmen. Lasst ihn ruhig seine Männlichkeit ausleben. Vielmehr verstehe ich darunter den richtigen Umgang mit Unabhängigkeit und Autonomie. Die Frau kann alles, was der Mann auch kann. Es nervt nur, wenn sie sich ständig beweisen muss. 

Für meine Freunde, die diesen Text lesen und sich angesprochen fühlen: Die Situation ist verfremdet und sie ist nur ein Mittel zum Zweck. In diesen Sinne wünsche ich euch eine schöne Woche. 

Samstag, 12. Juli 2014

Lasst uns über den Frieden reden

- Gedankensplitter -

Es ist kurz nach Mitternacht in Düsseldorf. Er hat das Licht ausgemacht und legt sich in sein Bett. Er will ein wenig schlafen, ehe er vor der Morgendämmerung wieder aufsteht, damit er sein Fasten beginnen kann. Bevor er seine Augen schließt, schaut er noch einmal auf sein Handy. Eine Nachricht von seinem zwölfjährigem Cousin aus dem Gazastreifen. "Bete für uns. Wir sind im Krieg."*

Der Nahost Konflikt. Seit Jahrzehnten Krieg, Gewalt und Terror. Es wird schlimmer und schlimmer. Es ist kein Ende in Sicht. Zwei Seiten: Palästinenser und Israeliten. Pro und Contra. Dagegen und dafür. Ein Stück Land auf der großen Erde. Es soll versprochen sein, von Gott. Es ist Krieg. 

Seit einigen Tagen ist meine Facbeookseite voll. Instagram und Twitter auch. Meine Freunde posten und posten. Bilder voller Blut, Videos voller Unruhen. Es soll die Wahrheit zeigen. Die Augen öffnen. Ich verschließe manchmal meine Augen, kann das die blutigen Bilder nicht sehen. Es ist Krieg. Ich weiß es und sitze ich auf meinem bequemen Sofa. Bomben fliegen, Bomben fallen. Bomben treffen und zerstören. Ich verfolge die Medien, sehe die einseitige Berichterstattung. Es ist Krieg. Ein Krieg gegen unschuldige Zivilisten. Gegen Kinder, weil die Erwachsenen sich streiten. Gegen den menschlichen Verstand, weil Frieden nur noch eine Ideologie ist. Eine Utopie in Bücher, die keiner mehr liest. Augen öffnen und lesen. Es geht nicht darum Schuldige zu finden. Es geht nicht darum Menschen zu trennen. Es geht darum, endlich eine Lösung zu finden, auch wenn eine Konfliktlösung meilenweit entfernt ist. Es darum, die Augen zu öffnen. Es geht darum, die unschuldigen Kinder zu schützen. Es geht um Frieden. Es geht um den verdammten Frieden.

*Situation verfremdet

Da dieser Eintrag nur Gedankensplitter enthält, sind hier einige Links zur aktuellen Situation:
Amnesty International: Völkerrecht einhalten
One Palestinian child has been killed by Israel every 3 days for the past 13 years
Palestinian boy Mohammed Abu Khdeir was burned alive
Bomben zum Ramadan
Stellungnahme zur Berichterstattung über die Geiselnahme der israelischen Jugendlichen

Donnerstag, 3. Juli 2014

Die Heimatlosen im Ruhrpott

Es ist kurz vor zehn Uhr. Der Tisch ist gedeckt. Meine Familienmitglieder nehmen an ihren Stammplätzen platz. Der Gebetsruf ertönt, wir hören gespannt zu. Wir beten kurz und dürfen danach endlich essen. Es wird geredet, gelacht und ausgetauscht. Das gemeinsame Iftar* ist zur Fastenzeit immer ein großes Ereignis, weil wir sonst nicht oft zusammen essen. Meine Mutter zückt ihr Handy heraus und sucht eifrig nach Fotos, die sie uns unbedingt zeigen will. Als die endlich eins der berüchtigten Fotos gefunden hat, zeigt sie es zunächst meinem Vater. Beide beginnen zu lachen. Als ich das Foto sehe kann, weiß ich warum meine Eltern strahlen - Alle Fotos zeigen unterschiedliche Szenen aus einem türkischen Dorf in Anatolien. Die Szenen sind sehr alt, das Leben wird ohne fortgeschrittene Technik mit einfachen Möglichkeiten gemeistert. Meine Eltern denken zurück an ihre Kindheit in einem ähnlichen Dorf. Es ist lange her, dass sie zurückgedacht und über die alten Zeiten geredet haben. Plötzlich steht mein Vater auf. Es ist still, wir schauen ihn gespannt an. Er sagt, dass er die Fotos nicht mehr sehen möchte. Er bekommt Sehnsucht. Sehnsucht nach seiner Heimat.

Heimat. Was für ein ausdrucksstarkes Wort. Laut dem Duden ist Heimat ein Ort, in dem man aufgewachsen bzw. geboren wurde und zudem man eine Verbindung hat. Aber Heimat kann auch eine andere Bedeutung haben. Ein Gefühl, eine Bestimmung oder einfach nur ein Platz auf der großen Erde. Ich zähle mittlerweile zu der dritten Generation türkischer Gastarbeiter, wobei wir schon lange keine Gastarbeiter mehr sind. Für mich war Heimat nie ein Problem. Dortmund. Der Ruhrpott. Aber ich lebe in einer Familie bzw. in einem Umfeld, in der viele Menschen ihre Heimat verlassen haben. Sie sind weit gereist und leben schon seit vielen Jahren an einem fremden Ort. Für sie ist es nicht immer leicht gewesen, sie wurden verurteilt und blieben unverstanden. Dabei sind sie keine gesellschaftlichen Außenseiter, sie leben hier - teils integriert und teils partizipiert. Und dennoch fühlen sie sich nicht wohl. Das Gefühl von Heimat. Das kennen sie oft nur im Sommer. Der Fotograf Peyman Azhari fotografiert Menschen aus 132 Nationen, die im Stadtteil Nordstadt in Dortmund leben. Sie alle haben eine andere Geschichte, sie alle haben eine andere Definition von Heimat. Oder auch keine. Ich finde das Projekt klasse. Es ist ein Beispiel dafür, dass man Menschen aller Art akzeptieren sollte und ihnen mit Respekt begegnen sollte. Denn Heimat muss nicht immer die Definition vom deutschen Duden haben. Heimat ist alles. Oder auch nichts. Das Projekt kann man auf diesem Blog ansehen und bestaunen!  In diesem Sinne wünsche ich allen Muslimen einen schönen Ramadan und allen Heimatlosen eine aufregende Suche nach ihrer Heimat. 

Samstag, 28. Juni 2014

Lasst die Glocken läuten, es ist Ramadan

Es ist wieder so weit. Macht euch bereit! Öffnet die Tore der fragenden Blicke - Es ist Ramadan! Achtung, für diejenigen, die nicht wissen, was der Ramadan ist, empfehle ich meine Artikel aus den Jahren 2013 und 2012. Viel Spaß bei der Ernsthaftigkeit. Und für all diejenigen, die den Ramadan schon kennen, gibt es ein witziges Video. In diesem Sinne wünsche ich allen Muslimen einen gesegneten und frohen Monat. Ramadan keerem, hayirli ramazanlar und happy ramadan.


Donnerstag, 19. Juni 2014

Die (un)vorteilhafte Praxis des Muslim-sein

Muslime haben es nicht leicht. Denn es gibt Verhaltensweisen, die nicht gerade vom Vorteil sind. Besonders in Deutschland kann alles andere schnell als fremdartig und bedrohlich wirken. Schließlich leben wir in einer Gesellschaft voller Normalität und alles andere ist dann abnormal.

Aber kommen wir zu den Verhaltensweisen der Muslime wieder zurück. Wie gesagt, muslimisch sein kann auch seine negativen Seiten haben. Da wäre das typische Beispiel für praktizierende Muslime: Fünf mal am Tag beten. Leichter gesagt als getan. Wer wirklich fünf mal am Tag betet (und das tun nicht viele) kennt die erste Hürde der Gebetswaschung in öffentlichen WC's. Da will man wie ein ganz normaler Mensch seine Füße im Spülbecken waschen und wird schon komisch angeguckt. Ihr kennt das. Die zweite Hürde macht das Gebet aber nicht leichter. Zunächst steht man wie angewurzelt an einer Stelle und bewegt sich dann im selben Rhythmus nach oben und nach unten. Während des Gebets ist reden nicht erlaubt, weshalb man den staunenden Augen auch nicht sagen kann, dass diese Übung keineswegs eine Gymnastikübung ist sondern eine Verneigung vor Gott. Kurioses Verhalten aber auch.

Muslimisch sein kann auch bei der Arbeit unvorteilhaft sein. Da wird man zu einem großen Geschäftsessen eingeladen und was tut man? Fasten! Super aber auch. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass der Chef alles zahlt, da werden auch noch neue Positionen auf dem Geschäftsessen bekannt gegeben. Mist! Was tut man? Sagen, dass man auf Diät ist und während des Geschäftsessen so tun, als ob man ein halbes Glas getrunken hat? Oder einfach die Wahrheit sagen, dass man lieber einen Tag lang aus Überzeugung verhungert und somit das Geschäftsessen verpasst? Schwierige Auswahl. Aber jetzt mal ehrlich. Da fastet man nicht und wird zu einem Geschäftsessen eingeladen und was gibt es zu Essen? Schweinebraten mit einem hausgemachten Wein. Und überhaupt: Gibt es wirklich Menschen, die ohne Alkohol Spaß haben? Man, Muslime sind aber echt komische Menschen.

Und für die Muslime unter uns, die dann öffentlich auch noch „muslimisch“ aussehen wird das Leben nicht unbedingt leichter. Die armen behaarten Männer müssen auch jedes mal am Flughafen eine Stichprobe aushalten. Schließlich wurden sie ganz zufällig ausgewählt und kontrolliert. Und die armen Frauen mit Kopftuch werden nicht oft genug angesprochen, ob sie denn die deutsche Sprache beherrschen. Und tatsächlich: Sie tun es. Verdammt aber auch!


Donnerstag, 12. Juni 2014

Mein selbsternanntes Imageproblem

„Alle Muslime haben Unsinn im Kopf, außer du. Du bist anderes.“
Diese Aussage habe ich schon einige Male gehört, nachdem ich mich mit diversen Personen unterhalten habe. Oft sind diese Personen mit Vorurteilen in das Gespräch hinein gegangen und jedes mal erhoffte ich mir mit guten Aussagen über den Islam das Bild der Muslime verändern zu können. Falsch gedacht. Denn jedes mal ging es nur um mich. Ich konnte bewirken, dass meine Gesprächspartner mich als Ausnahme sahen und bekanntlich bestätigen Ausnahmen die Regel. Daher konnte ich das Bild der Muslime keineswegs verändern, nur eben mein eigenes. Immerhin.

Dabei liegt das grundsätzliche Imageproblem bei den Muslimen selbst.
Obwohl jeder natürlich selbst für sein Handeln verantwortlich ist und selbst Muslime nicht paradoxer sein können (lese mein vorherigen Artikel dazu), gibt es ein verallgemeinertes Imageproblem von allen Seiten. Wir verallgemeinern und übertragen die Problematik auf alle, die in irgendeiner Weise etwas damit zu tun haben können. Schwarze Haare und ein harter Bartwuchs kann schnell am Flughafen Aufmerksamkeit erregen. Und das wird selbst ein behaarter zuvorkommender und freundlicher Arzt nicht ändern können. Genauso wie viele weitere Muslime, die sich in vielen Hinsichten für die deutsche Gesellschaft aktiv engagieren. Durch persönlichen Kontakt kann man eben nur sein eigenes Bild verändern und ich denke, dass das schon einer großer Schritt ist. Aber wir sollten aufhören für alle Muslime sprechen zu wollen. Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass man sich nicht für alles und jeden rechtfertigen kann und auch nicht sollte. Und anders herum möchte ich aber auch nicht, dass man mich ständig mit anderen Muslimen vergleicht. Schließlich bin ich trotz Kopftuch in der Lage, deutsch zu sprechen. Vergleiche und Verallgemeinerungen führen nur zu einem globalen Imageproblem und das hat der Islam schon genug.

Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass das nicht heißen soll, dass man als Muslim oder nicht-Muslim nichts gegen das Imageproblem tun soll. Aber ein ständiges Rechtfertigen und Leugnen der Tatsachen nervt einfach! Und dabei bringt es nicht viel! Wer wirklich versuchen will, das Imageproblem zu verbessern, sollte aus eigenem Willen handeln und nicht, weil es momentan in den Medien diskutiert wird oder es einfach nur IN ist, sich für etwas ein zusetzten. Ein Imageproblem kann jeder haben, ob er oder sie nun muslimisch ist oder nicht. Aber sich ständig für alle Muslime dieser Welt verantwortlich zu fühlen, ist weder eine geniale Idee noch ein Lösungsansatz.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Abend mit weniger Verallgemeinerungen für die nächsten Tage :-) Und wer weiß, vielleicht begegnet euch ein junges Paar. Er mit schwarzem Bart und sie mit einem rosa Kopftuch. Und beide sprechen perfekt deutsch. Kuriose Welt.

Freitag, 30. Mai 2014

Das Paradoxon der Muslime

Neulich beklagte sich eine muslimische Freundin bei mir, weil sie sich nicht immer für andere Muslime rechtfertigen wolle. Ihre Mitmenschen würden Muslime als paradox ansehen, schließlich handelten sie weder einheitlich, noch erzählten sie dasselbe. Und das mache sie wütend! Dabei nannte sie mir ein zeitloses Beispiel, dass ich selber schon sehr oft gehört hatte: Viele verstehen den Sinn des Kopftuches nicht. Auf der einen Seite erzählen sie, dass man seine weiblichen Reize nicht zeigen soll und auf der anderen Seite schminken sie sich wie ein Artist und betonen alles. Alles außer die Haare eben. Und jetzt mal ehrlich, wo ist der Sinn? Diesen Gedankengang hatten sicherlich schon viele. Ich hatte eine Zeit lang ebenfalls denselben. Heute denke ich aber etwas anders darüber.

Muslime handeln nicht einheitlich. Kaum zu glauben, aber auch wir sind normale Menschen, die unterschiedlich aufgewachsen sind und unterschiedliche Glaubensauffassungen haben. So kommt es immer wieder vor, dass man den Moslem sucht. Der Normale. Der, den man in Talkshows einladen und als symbolischen Vertreter sehen kann. Denn oft brauchen wir solche Vertreter, um einen Überblick zu bekommen. Schließlich gibt es diese und jene Muslime. Der muslimische Schüler auf dem Gymnasium, der Gemüsehändler, der nur türkisch spricht und der bärtige Arzt. Dann ist da noch der Politiker, der alles andere als christlich orientiert ist und die kopftuchtragende Lehramt-Studentin, die hoffnungslos die Kopftuchdebatte verfolgt. Der Freitagsvorbeter, der Ramadanfastende und die Blondine, von der man auf den ersten Blick nicht denken würde, dass sie muslimisch ist. Und mein Lieblingmoslem ist natürlich das Produkt der Medien, nennen wir ihn einfach den „Medien-Moslem“.

Und neben all diesen Muslimen soll es noch Einheit geben? Man bedenke, dass auch ich nur mit Klischees spiele, schließlich kann man keinen Menschen in eine Schublade packen. Dabei handelt es sich nicht um ein Paradoxon der Muslime, sondern um deren Vielfältigkeit. Ja, Vielfältigkeit! Das ist das Wort. Keiner kann und soll sich für andere rechtfertigen müssen, weil er oder sie ebenfalls muslimisch ist. Jeder ist für sein Handeln selbst verantwortlich, auch wenn das selbst in der muslimischen Community keine Selbstverständlichkeit ist. Oft stempeln wir ungewohntes als fremdartig ab, weil wir es nicht anderes können. Dabei betrachten wir das Leben nur aus eigener und eingeschränkter Perspektive, wobei wir eigentlich jeden als Individuum betrachten sollten. Ein Idealfall, auch für mich und doch sollten wir es mal versuchen. In diesem Sinnen wünsche ich euch ein schönes Wochenende.  

Freitag, 23. Mai 2014

Das Universum hat entschieden

Es gibt Momente im Leben, da weiß man einfach, dass diese entscheidend für die Zukunft sind. Momente, die wir nicht beeinflussen können und dennoch dankbar hinnehmen. Es sind solche Momente, bei denen wir rückblickend schmunzeln und erst dann die Wichtigkeit erkennen.



Eine wichtige Entscheidung in meinem Leben hat vor vielen Jahren angefangen Gestalt anzunehmen. Meine Mutter mochte es nicht, wenn ich Fernsehen geguckt habe, weshalb ich die Serien immer nur beschränkt gucken konnte. Eine von wenigen war Gilmore Girls. Rory, die Tochter der charmanten Lorelai Gilmore, hat mich aufgrund ihrer Willensstärke begeistert, denn sie wollte unbedingt Journalistin werden.

Als ich dann an der Realschule anfing war mein bestes Fach Deutsch, was eigentlich keine Bedeutung haben sollte. Aber auch hier gab es ein entscheidendes Ereignis. Eines Tages, ich weiß nicht mehr in welcher Stufe ich war, haben wir mit dem Zeitungsprojekt angefangen. Ich fand den Journalisten, der uns besucht hat, wirklich sympathisch und das was er erzählte fand ich wirklich interessant. So kam es, dass ich viele Texte schrieb und diese auch veröffentlicht wurden. Mein erster Text für die Zeitung handelte über das Kopftuch und warum es kein Unterdrückungssymbol ist. Ich war wirklich sehr stolz! Einige Jahre danach war ich auf einer Veranstaltung in Bremen. Es gab viele verschiedene Angebote für muslimische Jugendliche. Ich besuchte einen Workshop von der Journalistin Kübra Gümüsay, die über das Bloggen berichtete und fand die Idee klasse. Noch an dem Abend startete ich meinen ersten Blog, den ich aber nach wenigen Tagen wieder löschte. Nach einigen Wochen, es war im Januar 2011, kam mir die Idee für eine unbekannte Welt. Heute, nach mehr als drei Jahren, ist mir mein Blog sehr ans Herz gewachsen. Obwohl ich schon seit meiner Kindheit wusste, dass ich Journalistin werden wollte, machte ich es nun öffentlich. Ich suchte nach Praktikumsstellen, besuchte viele Workshops und schrieb fleißig an meinem Blog. Ende 2012 bewarb ich mich nach vielen Absagen bei eldoradio* für eine Praktikumsstelle. Diese wurde mir jedoch abgesagt, was ich wirklich schade fand. Stattdessen bat man mir eine Stelle als freie Mitarbeiterin an, ich ging zum Vorstellungsgespräch. Zunächst war ich nicht wirklich begeistert von der Idee, doch das lang nur daran, weil ich keine Ahnung von der Tätigkeit als freie Mitarbeiterin beim Radio hatte. So waren die ersten Wochen für mich ungewohnt, weil ich nach der Schule oft zum Radio ging und die vielen Fachbegriffe und Arbeitsweisen nicht verstand. Aber das nette Arbeitsklima und die wirklich herzlichen Menschen erleichterten mir den Weg. Ich habe seit dem viele Bekanntschaften mit unterschiedlichen Menschen gemacht und meine ersten journalistischen Erfahrungen machen können. Währenddessen probierte ich mich bei der Schülerzeitung aus, was mich aber nach einiger Zeit nervte, weil man als Chefredakteurin doch mehr machen muss als gedacht. 

Aber diesen Text schreibe ich nicht, um meinen angehenden Werdegang zu zeigen, sondern um mich zu bedanken. Das Universum ist voller Menschen, die einen unbewusst oder bewusst prägen. Ich wurde und werde vielerlei geprägt und deshalb gibt es heute ein besonderes Dankeschön an alle besonderen Ereignisse, die dafür gesorgt haben, dass ich heute auf meiner Couch sitze und diesen Text schreibe. Bis bald!

Dienstag, 20. Mai 2014

Hoch oben sitzt das rechte Gedankengut

Dortmund! Ach, was für eine Heimatstadt. Ich war die letzten Wochen in meiner Prüfungsphase fürs Abitur, weshalb ich weder bloggen konnte noch viel unternommen habe. Aber jedes mal, wenn ich in die große weite Welt hinausging, habe ich die Partei Rechte gesehen. Zuerst sind mir die vielen Polizisten aufgefallen und ich habe mich gefragt, ob sie denn aus Langeweile die Haltestellen besetzen, zumindest sahen sie so aus. Dabei konnte ich erst auf den zweiten Blick erkennen, dass ein paar Meter weiter ein Stand aufgestellt war, junge Männer standen dahinter und hielten Plakate der Rechten hoch. Jedes mal lächelte ich ihnen zu und ging weiter. Das gehört irgendwie zu Dortmund dazu, genau wie die vielen BVB Fans. Man lächelt, schaut kein zweites Mal dahin, weil sie in der nächsten Ecke wieder zu sehen sind. Total normal eben. Doch aufgrund der Europawahlen am kommenden Sonntag haben sich nicht nur die Parteimitglieder vervielfältigt, sondern auch die vielen NPD Wahlplakate. Auch diese gehören zum Dortmunder Stadtbild dazu, genauso wie die vielen Menschen mit unterschiedlichen Herkünften. Doch die Wahlplakate der NPD haben sich im Laufe der Jahre geändert, genauso wie es die Menschen immer tun. Sie sind langsam nach oben gestiegen! Bei einer Nacht und Nebel Aktion befestigen Mitglieder die Plakate auf Laternen weit oben, damit auch wirklich keiner daran kommt. Das Problem an diesen Plakaten ist nämlich folgendes: Sie sind ein Witz! Denn die Ironie liegt leider an der wirklichkeitsfernen Ideologie, die weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft Gutes bringen wird. Dementsprechend sind auch viele Reaktionen auf die Plakate eine lustige Erheiterung. Zumindest schaue ich mir seit einigen Wochen gerne Plakate an, die durch Mut und Stil einfach verändert wurden. Das Internet ist voll davon. Ein Blick auf meine Facebook Seite genügt. Und seit einigen Zeiten habe ich auch eine Theorie entwickelt, warum die Plakate immer höher befestigt werden: Die Parteimitglieder wissen leider selber, dass es total absurd ist, einen Ali stellvertretend für viele Deutsche mit einem Migrationshintergrund darzustellen. Doch was sollen die armen Mitglieder nur tun? Ihnen fällt doch langsam nichts mehr ein und Deutschland wird immer bunter. Man, das Leben ist so unfair. Aber Spaß bei Seite. Ich hoffe, dass es in Zukunft mehr mutige Menschen gibt, die verstehen, dass Deutschland bunt ist und darauf sollten wir stolz sein. Ich wünsche euch einen schönen Abend. 

Dienstag, 29. April 2014

Kleinigkeiten in unserem Leben

Heute melde ich mich nur kurz bei euch, weil ich momentan meine Abitur Prüfungen schreibe und somit nur am Lernen bin. Drückt mir die Daumen. Trotzdem möchte ich dieses Video mit euch teilen, da es wirklich zum Denken anregt und wir uns ein Beispiel an dieser Geschichte nehmen sollten. Oft sind es Kleinigkeiten, die unser Leben verändern. Sie geschehen spontan und unüberdacht, aber haben eine große Wirkung. Auch wenn das Ende unrealistisch erscheint, so sollten wir uns mal die Zeit nehmen und es vielleicht sogar in die Realität umsetzen. Vielleicht klappt es doch. Ich wünsche euch eine schöne Woche.