Sonntag, 20. April 2014

Wozu gibt es nochmal die Demokratie?!

Ich war gestern auf einer Demonstration gegen die willkürlichen Todesurteile für 529 Menschen in Ägypten. Es sind 529 Menschen, darunter Männer, Frauen und Jugendliche, die sich für die Demokratie eingesetzt haben.  529 Menschen wurden in nur zwei Prozesstagen zum Tode verurteilt, weil sie angeblich für den Mord an einem Polizisten verantwortlich waren. 529 Menschen. Es sind 529 Menschen, die zu unrecht in kurzer Zeit zum Tode verurteilt wurden.

Wahrscheinlich fragen sich die einen oder anderen grad, worum es geht, weil sie bisher noch nichts davon gelesen oder gehört haben. Andere wiederum sind empört, wütend und traurig zu gleich, weil sie die Gleichgültigkeit der westlichen Länder nicht verstehen können. Sie können nicht verstehen, warum die Medien nichts von der Verletzung der Menschenrechte berichten, warum die Politiker nichts sagen und warum der Westen nicht verstehen kann, dass es um Menschenleben geht. Sie ignorieren es und verschließen ihre Augen.

Dabei liebt es der Westen doch, sich überall einzumischen. Wo seid ihr? Warum muss der arabische Frühling zu einem kalten Winter werden? Die Demokratie, wofür tausende Ägypter auf die Straße gegangen sind, ist verschwunden wie ein warmer Frühlingswind. Der erste demokratische Präsident wurde von seinem Amt mit einem Putsch entfernt und wieder hat das Militär das Sagen. Für einen einzigen Polizisten sollen 529 Menschen sterben. Empört euch, lasst es nicht zu!



Weitere Informationen über die Geschehnisse in Ägypten findet ihr in diesem Beitrag in der Taz, der einzige Beitrag, den ich auf deutscher Sprache finden konnte.

Montag, 14. April 2014

Der total normale Alltag mit einem Stück Stoff

Der Kopftuch-Selbstversuch
Wenn sie aufflammt, beherrscht sie die Medien: Die Kopftuchdebatte. Aber wie lebt es sich als kopftuch-tragende Muslima in Deutschland? Und wie fühlt es sich an, selbst unter dem Kopftuch zu stecken als junge Frau in Dortmund? eldoradio* Reporterin Melanie Bröcker hat es ausprobiert. 

Vor ein paar Wochen habe ich eine junge Journalistik Studentin aus Dortmund begleitet, wie sie für einen Tag das Kopftuch aufgesetzt hat. Ich habe ihr erklärt, wie man das Kopftuch aufsetzt und warum ich es trage. Dabei sind wir in die Dortmunder Stadt spazieren gegangen und haben die Menschen um uns herum beobachtet. Irgendwie war alles total normal eben, so wie ich es jeden Tag erlebe. Und auch wenn das Bild eines  Kopftuchmädchens nicht überall in Deutschland normal ist, gehört es zu Dortmund und das merkt man! Melanie Bröcker hat sicherlich eine einzigartige Erfahrung machen können, weil man Barriere zwischen Kulturen erst dann beseitigen kann, wenn man auch versteht. In diesem Sinne wünsche ich euch viel Spaß beim Zuhören des Podcast, den ihr hier findet.



Sonntag, 6. April 2014

Die Intrige der digitalen Welt

Ich habe mir vor einigen Jahren ein dickes Fotoalbum gekauft, indem ich meine schönsten Erinnerungen hineinkleben wollte. Heute ist das Album immer noch leer, aber es sammeln sich unendliche Fotos auf meinem Handy und auf einer digital Kamera. Dazu kommen noch tausende Fotos auf einer externen Festplatte, die wahrscheinlich kaputt ist und repariert werden muss und viele Fotos auf diversen Speicherkarten und auf meinem Computer. Allein in der letzten Woche habe ich ca. zweihundert Fotos gemacht, was wahrscheinlich daran liegt, dass ich endlich ein neues Handy bekommen habe. Aber trotzdem liegt der Schmerz der verlorenen Vergangenheit immer noch tief in mir: Ich hatte nämlich Jahre lang eine digitale Kamera, mit der ich unglaublich gerne Fotos geschossen habe. Meine Freunde haben sich immer wieder aufgeregt, weil ich diese zu jedem Anlass dabei hatte und wirklich alles dokumentiert habe. Leider ist meine Kamera auf einer Stufenfahrt nach Italien ins Wasser gefallen und ich war so dämlich und dachte, dass ich die Kamera auseinander bauen und wieder reparieren kann. Falsch gedacht! Denn obwohl sie für eine kurze Zeit noch ging, ist sie mir im Türkei Urlaub auseinander gefallen und somit vollständig kaputt gegangen. Aber so schlimm sich das alles auch anhört, ich hatte zum Glück meine Fotos auf einer externen Festplatte gespeichert und die Speicherkarte funktionierte noch. So weit so gut. Nun ist die Festplatte aber leider meiner Schwester aus der Hand gefallen, weswegen diese natürlich ebenfalls kaputt ist. Dazu muss ich sagen, dass auf dieser Festplatte fast meine ganze Vergangenheit gespeichert war und ich wirklich sehr traurig bin. Nun hoffe ich inständig, dass es repariert werden kann...

Aber diese kleine Geschichte bringt mich zu dem Schluss, weshalb ich auf jeden Fall mein Fotoalbum beenden werde: Wir leben mittlerweile in einer Welt, in der nichts mehr greifbar ist. Wir können keine Fotos in die Hand nehmen, weil sie irgendwo digital gespeichert sind. Wir können keine aufwendig formulierten Briefe aus alter Zeit lesen, weil in diversen Chats alles kurz und knapp auf den Punkt gebracht wird. Wir finden keine alten CDs, weil all unsere Musik auf unserem Handy gespeichert ist. Wir riechen keine frisch gedruckten Zeitungen, weil wir das Wichtigste im Internet durchlesen können. Wir haben nichts in der Hand und doch scheinen wir reicher als je zuvor. Wir haben einen Informationsüberschuss, wir googlen alles was wir brauchen. Jedoch ist die digitale Welt gefährlicher als je zuvor. Ein Wassertropfen und unsere Festplatte geht kaputt, ein Klick und all unser Erinnerungen aus alter Zeit sind gelöscht. Wir werden überwacht, kontrolliert und leben in ständiger Verknüpfung zu all unseren Kontakten. Dabei haben wir noch nicht einmal die Zeit ein Fotoalbum zu erstellen, geschweige denn, einen Brief zu schreiben. Alles ist schneller geworden, wir müssen hinterher rennen.


Ich bin wirklich keine Gegnerin der digitalen Welt, sonst würde ich sicherlich nicht bloggen, twittern oder auch sonst fast alles mit dem Internet erledigen. Aber ich weiß, wie schmerzlich es ist, viele Fotos zu verlieren. Und ich bin mir sicher, dass meine Großeltern diese Gefühle nicht kannten, weil ihre Fotos mit Bedacht gemacht und sorgfältig aufgehoben wurden. Und auch wenn das Internet sehr viele gute Seiten hat, so schadet es sicherlich keinem, einfach mal ein paar Fotos auszudrucken.

Sonntag, 30. März 2014

Warum die Wahlen in der Türkei sich in meinem Wohnzimmer abspielen

Eigentlich wäre heute ein Hochzeit, zu der meine Familie eingeladen ist. Eigentlich wäre ich in diesem Moment dort. Aber das bin ich nicht, weil heute die Wahlen in der Türkei sind. Von meinem Zuhause aus, sind es bis nach Istanbul 2.455,4 km - eine weite Strecke und doch sind wir heute alle Zuhause geblieben, um die Wahlergebnisse im Fernsehen zu sehen. Mein Vater sagt, dass sein Herz klopft. Tage lang hat er die Reden von Erdogan im türkischen Fernsehen beobachtet und hat sich immer wieder über seine Gegner aufgeregt. Meine Familie kommt aus der Mitte des schönen Anatoliens, viele sind begeisterte AKP Anhänger. Aber nicht nur die Region verbindet viele mit der Partei, sondern auch das Verständnis für Demokratie, weil Erdogan eben kein Islamist ist. Weil er eben die Türkei positiv beeinflusst hat und weil es eine lange Zeit gegeben hat, in der viele muslimische Frauen nicht studieren durften. Aber die Zeit soll vorbei sein. So sagt er es. Und doch hat die Türkei in den letzten Monaten viele Konflikte erleben müssen - zwischen Kemalisten, Nationalisten, Demokraten und vielen Kleingruppen.



Wir empfangen Zuhause auch türkische Sender und der Kontrast zwischen westlichen und türkischen Medien wurde mir in den letzten Monaten mehr als deutlich. Die westlichen Medien zeigen Ereignisse, sie erzählen von Auseinandersetzungen und Ausschreitungen. Aber wer gegen wen demonstriert wird entweder nur grob oder gar nicht dargestellt. Es gibt selten Hintergrundinformationen  - wenn überhaupt etwas außerhalb der Eurozone berichtet wird. Ich habe lange Zeit die Kommentare von deutschen Zeitungen online gelesen und immer wieder hieß es, dass Erdogan weg soll. Dabei vergessen viele die Demokratie, denn wenn man demokratisch wählt, sollte man auch demokratisch abwählen können.
Die Situation mag aus deutscher Sicht komisch klingen: In den Medien werden Menschen dargestellt, die gegen die Regierung sind und doch wird sie gewählt? Sicherlich können viele sich denken, dass es anscheinend nur wenige waren, die auf die Straßen gegangen sind, das beschreite ich nicht. Aber dennoch glauben viele, dass die AKP islamistisch geprägt sein, weil die deutschen Medien es eben so darstellen.
Ich selber bin ebenfalls kritisch gegenüber der türkischen Regierung, weil ich sowohl die positiven als auch die negativen Seiten betrachte. Keine Regierung ist perfekt, aber wenn die Mehrheit sich dafür entscheidet, ist es eben so!

Die Ergebnisse der Wahlen wurden nun öffentlich gemacht und wie es viele schon voraus gedeutet haben - die AKP hat mehr als 50 Prozent der gesamt Wahlen in den Städten. Die Aufregung ist vorbei, mein Vater schaut sich die Einzelheiten an. Aber eins ist sicherlich klar: wenn man nicht die gesamt Situation von politischen Ereignissen außerhalb von Deutschland versteht, sollte man nicht zu schnell verurteilen, nur weil es anderes ist...

Montag, 24. März 2014

Not one version of "Muslim Women"

Ich habe vor kurzem wieder die Großartigkeit Twitter's entdeckt. Denn man glaubt es kaum, aber oft kann ein Hashtag viel bewirken. Vor Zwei Tagen hat der Hashtag #NotYourStockMuslim seinen Lauf genommen und gehört nun in der USA zu Trends in Twitter. Doch was steckt eigentlich dahinter und warum fällt es uns so leicht zu pauschalisieren?

#NotYourStockMuslim startete am 22.03.14 in der USA und hat heute schon über tausende Tweets. Junge Muslime, oft Amerikanerinnen, schreiben über Klischees und Vorurteile. Sie schreiben in weniger als 140 Zeichen über ihre Erlebnisse als muslimische Frau und dass nicht ihre Religion oder ihr Äußeres wichtig ist, sondern ihre Individualität. Ja, sie haben ein Meinungsrecht und nein, ihr Vater hat sie nicht zum Kopftuch tragen gezwungen. Und ja, sie entscheiden über ihr Leben selbst. Auf einer ironischen Art und Weise wird das Leben junger Amerikanerin und auch Amerikaner mit wenigen Worten deutlich gemacht und der damit verbundene Rassismus, den sie schon oft genug erlebt haben. Der Islam ist nun seit hunderten von Jahren in der USA und doch erleben viele Muslime alltäglichen Rassismus. Sie werden als eine Einheit gesehen und doch sind sie unterschiedlicher denn je.

Erstaunlicherweise konnte ich mich nicht immer damit identifizieren, weil ich in Deutschland auf solche diskriminierenden Bemerkungen nicht oft gestoßen bin. Zum Glück. Aber das soll nicht heißen, dass mich noch nie jemand gefragt hat, ob ich das Kopftuch nicht auch beim duschen tragen würde. Es sind einfach andere beliebte Fragen, aber sie kommen auf das gleiche hinaus. Und auch in Deutschland werden Muslime unter einem Kamm geschert, besonderes durch die Medien.

Individualität, ach was für ein schönes Wort und doch wird es oft im Zusammenhang mit Muslimen vergessen. Aber es sind gerade die Unterschiede, die die Vielfalt der Muslime aus machen und das fängt schon beim tragen des Kopftuches an oder auch eben nicht. #NotYourStockMuslim hat mir heute den Tag versüßt, weil eben kein Muslim in irgendeine Schublade passt. Und auch wenn es uns leichter fällt, es bringt doch wirklich nichts. Keine Schublade hat die Welt gerettet und wird es sicherlich auch nicht tun.  

Ich wünsche euch eine schöne Woche.

Dienstag, 18. März 2014

Das Streben nach Freiheit und Demokratie

Ich habe in der Schule ein paar mal eine Schweigeminute einlegen müssen, besonderes für Umweltkatastrophen oder Amokläufe. Und jedes mal habe ich mich in dieser einen Minute gefragt, warum wir still stehen und die Blicke senken, obwohl wir doch vieles mehr machen könnten. Mir sprudelten die Ideen nur aus dem Kopf; Angefangen von Spendensammlungen bis hin zur Demonstrationen gegen Missstände in aller Welt. Nein. Wir standen in dem Klassenraum und haben nach dieser Minute im Unterricht weiter gemacht. Heute frage ich mich, welcher Sinn dahinter steckt. Weil der Schulstoff durchaus wichtiger ist, als gemeinsames Reflektieren und Bewerten der zutreffenden Situation? Vielleicht aber auch, weil es uns nichts angeht, weil wir nicht unmittelbar betroffen sind. Anteilnahme und Mitgefühl spielen sicherlich eine wichtige Rolle in Schweigeminuten, doch wem nutzt es? Ich möchte keinem zu Nahe treten, aber faul auf der Couch sitzen verändert die Welt kein bisschen.

Und doch sind es Veränderungen, die unsere Welt braucht.

Vor drei Jahren haben syrische Bürger friedlich gegen das Regime von Bassar al-Assad demonstriert, doch nach einigen Monaten eskalierte die Situation. In den Medien hört man seitdem von einem Bürgerkrieg und von syrischen Flüchtlingen. Aber das hunderte von unschuldigen Menschen auf dem Weg der Demokratie sterben müssen, wird in den westlichen Medien nicht klar.
Einen interessanten Beitrag habe ich dazu auf zenith gefunden – ich kann euch nur raten es zu lesen, weil es einen guten Überblick über die gesamte Situation in Syrien gibt. Den Beitrag gibt es Hier!

Und anlässlich der dreijährigen Revolution in Syrien, möchte ich diesen Post beenden mit der hart erkämpften Demokratie!


Dienstag, 4. März 2014

Die muslimische Modepolizei in der virtuellen Welt

Mein letzter Post sollte eigentlich von muslimischer Frauen Mode handeln. Wie ihr lesen könnte, wurde aber nichts daraus, weil mein schwarzes Kopftuch dann doch dominierte. Wie immer. Aber heute möchte ich euch ein bisschen mehr als schwarze Tücher zeigen, weil es einfallsreichere Menschen als mich gibt.

Muslimische Frauen haben es nicht leicht, was nicht heißt, dass sie es unbedingt schwerer haben. Denn neben all der versuchten Individualität beim Kleidungsstil, gibt es die muslimische Modepolizei. Diese sind oft Frauen, die andere Kleidungsstile nach bestimmten Kriterien beurteilen. Das erste und wichtigste Kriterium ist die Islam-Konformität, wonach andere beurteilt und manchmal sogar verurteilt werden. An dieser Stelle werde ich nicht die islamischen Kleidungsnorm erläutern, weil ich keinem zu Nahe treten will. Außerdem glaube ich, dass jeder eine andere Auffassung von Islam konformer Kleidung hat. Meinerseits kann ich aber sagen, dass ich darauf achte, dass meine Kleidung lang und nicht zu eng ist. Aber kommen wir zur Modepolizei zurück. Nun gibt es im Internet viele muslimische Frauen, die täglich ihre neuen Outfits repräsentieren. Neben muslimischen Hipsters, auch Mipsterz genannt, gibt es auch Frauen, die sich fein, sportlich oder auch lässig anziehen. Alles eben total normal. Und dennoch gehören sie oft noch zur Seltenheit, weil sie manchmal mit heftigen Reaktionen rechnen müssen. Ich halte nichts davon. Kübra Gümüsay, Journalistin und Bloggerin, hat es auf den Punkt gebracht: „Wir Muslime sind nicht einheitlich, sondern vielfältig. Das ist unser Kapital, das macht uns einzigartig. Dies können wir aber nur demonstrieren, wenn wir aufhören, Kontrollfreaks zu sein.“ Kontrollfreaks nerven, mehr als sie es für möglich halten würden. und jedem ist selbst überlassen, was und wie sie es ansieht.


An dieser Stelle möchte ich den ersten Hijab-Store in Deutschland bekannt machen. Ab dem 10.März gibt es in der Shoppingmeile von Köln das My Hijab. Mit dem Slogan be covered, be fancy and be inspired by us möchte die junge Sonia Kefi eine Plattform für modebewusste Frauen bieten. Dabei gibt es in Store vor allem Kopftücher, Islam konforme Kleidung und modische Accessoires für jede Frau. Ich selber bin wirklich begeistert und freue mich schon auf die Eröffnung. Leider soll der Store vorläufig nur für einen Monat angeboten werden, weil es nur durch ein Projekt eröffnet wurde. Aber das spielt keine Rolle, solange es genug Anlauf gibt. Wichtig ist aber die Message dahinter, muslimische Frauen sind präsent und modebewusst. Ihrer Individualität sind keine Grenzen gesetzt und das sollten sie auch zeigen dürfen.


Sonntag, 2. März 2014

Warum ich immer ein schwarzes Kopftuch trage

Ich bewege mich seit einigen Tagen auf Webseiten mit inspirierenden Fotos und klicke ich vor allem auf Kopftuch tragenden Frauen, die besonderes modebewusst sind und mit ihrer schillernden Kleidung auffallen. Im mobilen Internet findet man auch wirklich alles! Angefangen von hitzigen Diskussionen, ob bestimmte Kleidungsstile noch muslimisch sind, bis hin zur muslimischen Fashionweek in Indonesien. Mode betrifft eben jeden, auch muslimische Frauen. Und neben all den bunten und bemusterten Kopftüchern, gibt es mich! Auch wenn ich mit Kopf-abwärts in verschiedenen Farben und Stilen anziehe, so bleibt mein Kopftuch stets schwarz. Und das seit einigen Jahren. Ich weiß nicht mehr, wann genau die schwarze Phase angefangen hat, aber sie ist gegenwärtig. Und das schlimme ist, dass ich nicht mehr ohne diese Farbe kann (Ja! Schwarz ist eine Farbe). Ich wurde schon wirklich oft angesprochen, warum ich denn immer schwarz tragen würde. Nein! Ich stecke in keinen Depressionen und ja, ich habe auch andere Tücher Zuhause. Nur sind die Schwarzen eben meine Lieblingsstücke. Aber mittlerweile habe ich eine Theorie entwickelt, warum ich so gerne schwarz trage: Ich habe einen sehr hohe und schrille Stimme, nennen wir es einfach mädchenhafte Stimmbänder. Und oft falle ich schon wegen diesen Stimmbändern auf, da diese auch ununterbrochen in Funktion sind. Und jetzt stelle man sich noch vor, dass ich auf dem Kopf ein Tuch voller Flugzeugmotive habe – Verwirrung! Aber nicht nur das. Ich finde auch, dass das Tuch auf meinem Kopf kein Modeaccessoire ist, wobei das jeder für sich entscheiden muss. Trotzdem beneide ich modebewusste muslimische Frauen, die jeden Tag früh aufstehen und sich ein neues, modisches und dann noch Islam konformes Kleidungsstück zum bunten Kopftuch auswählen. Das ist keine leichte Aufgabe, ich sag es euch. Es fängt nämlich alles schon beim Einkauf ein, wenn ich nach langem Suchen endlich etwas gefunden habe – ein langarmiges Kleid, dass keine schrillen Muster hat. Auch wenn ich gerne neues anprobiere, freue ich mich immer wieder etwas langarmiges zu finden. Vor allem im Sommer wird das zu einem Abenteuer, da es sich entweder um zu dicke Pullover handelt oder schlicht und einfach zu kurz ist. Aber auch das meistern muslimisch Frauen, indem sie ihren eigenen Stil erfinden. Und in diesem Sinne appelliere ich an mich selbst endlich mal meinen Kleiderschrank aufzuräumen und neues zu kombinieren. Aber auch an selbstbewusste Frauen, die mit ihrer Individualität gegen die Masse laufen. Jeder eben auf ihre eigene Art und Weise.

Sonntag, 16. Februar 2014

Keiner braucht einen Schonraum - wirklich nicht!

Vor ein paar Tagen hatten wir in der Schule einen Anti-Rassismus-Tag. Polizeibeamten haben uns die rechte Szene in Dortmund veranschaulicht, da Dortmund auch als Hochburg der Nazis bezeichnet wird. Und obwohl gerade im Ruhrpott viele Bürger einen Migrationshintergrund haben, gibt es immer wieder heftige Auseinandersetzungen mit Rechtsextremisten. Es kommt zu Prügeleien, zu Aufständen und zum Vandalismus. All das ist Alltag in Dortmund, wenn auch nicht öffentlich. Umso wichtiger sind Anti-Rassismus-Tage an Schulen, schließlich gehört Aufklärung zur Bildung. Doch dieses mal war etwas anders. Zu anders. Ein netter Polizeibeamter hat sich fürsorglich um mich gekümmert, daher immer nach meiner Meinung gefragt und meine Rückmeldung beachtet. Das interessante war aber, dass ich die Einzige war. Die eine mit dem Kopftuch aus dem 13. Jahrgang. Die optisch Auffallende. Dabei wurde ich bemitleidet, zu sehr geachtet und es wurden Verbindungen zu den NSU Opfern und mir hergestellt. Schließlich bin ich auch türkischer Herkunft. Aber gerade dieser Schonraum, der um mich herum gebaut wurde, hat mich zu etwas anderem gemacht. Zu etwas, was ich niemals sein möchte. Zu einer Person, die eine extra Behandlung bekommt und fürsorglicher behandelt wird. Aber genau hier liegt das Problem. Denn auch wenn ich optisch gesehen zu einem Nazi Opfer werden kann, so bin ich es nicht. Ich habe kein Schmerz erlitten wie die Familien der NSU Opfer, ich hatte keine Bekanntschaften mit Nazis. Aber auch wenn es so wäre, sollte man mich nicht bemitleiden. Das bemitleiden führt nur zu Unfähigkeit des Handels, zu einer gebauten Mauer. Aber das bringt doch alles nichts! Wir sind alle vom Nationalsozialismus betroffen, wir müssen gemeinsam handeln! Und weil Anderes sein dann doch nicht so anderes ist: Ein Bild von Soufeina Hamed!


Sonntag, 9. Februar 2014

Bitte sehr, sie passt in kein Schubladen-denken

In manchen Köpfen herrschen geordnete Schubladen: Ausländer, Schwul, Islamist, Jude, das unterdrückte Kopftuchmädchen und viele mehr. Zu oft werden Menschen in Schubladen gesteckt, sodass sie nur mit Vorurteilen gesehen werden. Zu wenig lernt man sich kennen, erkennt die Individualität des Einzelnen. Für die junge Studentin Soufeina Hamed aus Berlin gibt es keine Schublade, in der man sie stecken könnte. Auch wenn ihr Kopftuch den Anschein macht, ist sie kein gewöhnliches Mädchen von neben an, wobei das Wort gewöhnlich zu keinem Menschen passt. Soufeina ist nämlich neben ihrem Physiologie Studium Comiczeichnerin mit einer besonderen Begabung zum Zeichnen. Sie ist in Tunesien geboren, in Berlin aufgewachsen und studiert in Osnabrück. 

Mit ihren Comics will sie Vorurteile abbauen und zum Dialog anregen. Mir hat sie geschrieben, dass sie die Realität einer Muslima in allen Facetten zeigen möchte und somit auch die ganz natürlichen Stärken und Schwächen eines Kopftuch tragenden Mädchen deutlich macht. Ob in der eigenen Religion, in der Familie oder in der Uni: Ihre Comics zeigen selbstbewusste Frauen, die ihren Alltag wie jede andere Frau bewältigen. Nur eben mit einem Kopftuch und so sehr die Kopftuchmädchen unnahbar in den Medien erscheinen, sie sind präsent und ein Teil Deutschlands.

Mit ihren Comics betont sie vor allem Gemeinsamkeiten von Muslimen und Nicht-Muslimen. Und gerade wegen der Vielfältigkeit ihrer Comics ist sie schon mit Vielen in den Dialog getreten, wie auch mit dem Bundespräsidenten Joachim Gauck. Vorurteile abbauen – das ist gar nicht so einfach. Aber Soufeina holt sich gerade aus ihrem Alltag die Inspiration. Egal ob es persönliche Erlebnisse sind, ein Film oder auch ein Witz: Sie zeichnet mit ein bisschen Humor den Alltag muslimischer Mädchen und verdeutlicht somit, dass Reflexion, Gelassenheit und Verständnis wichtig für eine multikulturelle Gesellschaft ist. Ihre Comics gibt es seit ungefähr 4-5 Jahren unter dem Namen Tuffix auf deviantart.com. Ihre Fans werden immer mehr, aber bei der Intention ist das auch kein Wunder – Vorurteile abbauen und die Menschlichkeit muslimischer Mädchen zeigen. Aber jetzt mal ehrlich, fällt euch eine Schublade für Soufeina ein? Vielleicht die selbstbewusste-Muslima-von-nebenan?